Finanzmärkte und Zinsabhängigkeit: Wie hängt das zusammen?

In den letzten Jahren sind Festgeld Zinsen stetig gestiegen, inzwischen ist diese Geldanlage so lukrativ, dass viele Anleger, auch verunsichert durch die Finanzmarktkrise, in Festgeld umschichten. Im Durchschnitt kann man heute von etwa 3 – 5 % Zinsen auf Festgeld ausgehen.

Wirtschaftsdaten, Markttendenzen und daraus abgeleitete Referenzwerte beeinflussen die Zinsen. Über den Leitzins steuern die Zentralbanken den Finanzmarkt. In den letzten zwei Jahren wurden die Leitzinsen in den USA und auch Europa beständig gesenkt, um Unternehmen günstigere Kredite zu ermöglichen und so die angeschlagene Wirtschaft wieder anzukurbeln. Jede Senkung der Leitzinsen ließ die Aktienmärkte zumindest kurzfristig jubeln und die Kurse steigen, da viele Big Player am Markt mit geliehenem Geld spekulieren und bei Leitzinsen nahe Null das Risiko immer weiter sinkt. Diese positiven Auswirkungen auf den Aktienmarkt hatten indes zur Folge, dass sich auch Banken eher bei der Zentralbank als bei ihren Kunden Geld leihen konnten, damit sinken die Festgeld Zinsen. Sie sinken aber nicht zeitgleich mit den Leitzinsen. Die Banken reagieren im Kundenverkehr mit einer halb-bis ganzjährigen Verspätung auf Zinsveränderungen der Zentralbank. Dies liegt an der Vertragsgestaltung für Festgeld Zinsen ebenso wie an der Geschäftspolitik.

Eine weitere Grundlage für die Festlegung von Festgeldzinsen ist EURIBOR, der Referenzsatz, mit dem Banken untereinander ihre Geschäfte regeln. Der Zeitrahmen bewegt sich analog dem für Festgeldzinsen und hat daher auf diese Auswirkungen.

Der Markt für Festanlagen hat ein Milliardenvolumen (zwischen 60-70% aller Einlagen von Nichtbanken überhaupt) und beeinflusst damit die Handlungsfähigkeit von Banken. Es stehen sich hier widersprüchliche Entwicklungen gegenüber. Einerseits können Banken bei niedrigen Zentralbankenzinsen billiges Geld aufnehmen, andererseits sind sie auch auf Einlagen von Privatkunden angewiesen und daher in Krisenzeiten motiviert, mit höheren Festgeldzinsen die Leute zu Anlagen zu motivieren. Nach Ausbruch der Finanzkrise 2008 stiegen die Festgeldzinsen, während die Zentralbankzinsen sanken. Weiterhin zogen verunsicherte Anleger, deren Aktienfondperformances sich negativ entwickelten, Gelder generell ab und wurden mit Festgeld zurück zu den Banken geholt. In Wahrheit sind die Zusammenhänge noch komplexer und werden unter anderem durch den Crowding-Effekt beschrieben.

Da kein Mensch Wirtschaftslehre studieren möchte, um Festgeld anzulegen, empfiehlt es sich, die Zinsen gesondert zu betrachten. Die Entwicklung ist ohnehin nicht seriös zu prognostizieren.

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